Bewerbungsprozess

Die Bewerbungen laufen und ich habe schon mit Firmen über ein paar interessante Aufgaben gesprochen. Mir ist aufgefallen, dass der Bewerbungsprozess immer komplizierter wird: Neben dem ganzen formalrechtlichen Kram wie Zustimmung der Datenverarbeitung (lästig, aber notwendig) gibt es erst einmal ein Heer von Recruitern, die über die eigentliche Arbeitsstelle aber oft nichts aussagen können. Erst, wenn man diese überzeugt hat, spricht man mit jemandem, der einem fundiert etwas zur Stellenausschreibung sagen kann. Das ist meiner Meinung nach ineffizient, denn wenn sich dann herausstellt, dass die Stelle auch aus meiner Sicht nicht passt, hätte sich auch der Recruiter die Arbeit sparen können.

Schön ist, dass die größeren Firmen mittlerweile alle ein gutes zeitliches Management haben und auf jeden Fall eine Rückmeldung geben. Das hätte ich mir bei den Ingenieurdienstleistern, bei denen ich gearbeitet habe, oft auch verbindlich gewünscht. Aber wenn ich es nicht selbst gemacht habe, bekamen meine Kandidaten keine zeitnahe Rückmeldung.

ein Bespiel für einen Bewerbungsprozess in Corona-Zeiten

Auch die Menge der Gespräche hat sich verändert. Bei einem Softwareunternehmen in Köln, bei dem ich mich als Key Accounter beworben hatte, sah der Bewerbungsprozess so aus: Erste Kontaktanfrage in die Personalabteilung für Rückfragen zur Stelle. Da habe ich aber nur erfahren, dass ich meine Unterlagen über ein Portal einstellen muss. Dann eine Woche später das erste Telefonat mit dem zuständigen Personaler für eine Terminvereinbarung. In diesem Telefonat konnte ich dann einen Teil meiner Fragen klären. Es folgte das erste offizielle Vorstellungsgespräch per Videokonferenz. Danach gab es einen psychologischen Test, woraufhin eine Videokonferenz mit der Geschäftsführung gemacht wurde.

Sind wir jetzt am Ziel? Nein! Als nächster Schritt wurde ein von mir benannter Referent befragt, mit dem ich Jahre zusammengearbeitet hatte. Danach sollte es dann ein Gespräch mit den zukünftigen Kollegen geben, worauf dann die Gehalts- und Vertragsverhandlungen beginnen sollten.

Sicher, da man sich nicht treffen sollte, ist es schwieriger geworden. Aber ehrlich, hier soll doch kein neuer Papst gewählt werden, es geht „nur“ um eine Arbeitsstelle. Und ehrlicherweise hat man Probezeiten und Kündigungsfristen. Ob eine Zusammenarbeit funktioniert, sieht man ohnehin erst wirklich im laufenden Betrieb. Richtig?

Warum nicht pragmatisch?

Ich wünsche mir an der Stelle einen deutlich pragmatischeren Umgang mit Bewerbern. Sicher, es gibt Stellen in Vertrauenspositionen, da ist es notwendig, so viel Aufwand zu betreiben. Aber bei allem Anderen braucht es aus meiner Sicht einfach jemanden, der die Stelle und das Unternehmen gut kennt und eine gewisse Menschenkenntnis hat, um schnell und effizient vorsortieren und dann final auswählen zu können. So zumindest habe ich das bei den Dienstleistern immer gemacht.

Kommentare sind geschlossen.