Schreibstile

An Restzeit zu arbeiten ist etwas ganz Anderes, als an Armatin zu arbeiten: Ich verwende einen ganz anderen Schreibstil. Die Erzählperspektive ist die des Protagonisten, und damit die „ich“-Form. Bisher habe ich mich nur ein einziges Mal daran versucht und war nicht zufrieden. Dieses Mal ist es anders: Durch einfach Sätze und Umgangssprache kann ich mit wenigen Worten eine Atmosphäre schaffen, die den Leser gleich hineinzieht. Das gefällt mir sehr und ich komme auch gut mit der Figur zurecht.

Ich erinnere mich gut an die Leute, die ich an diesem Tag sah: Da waren die beiden Polizisten, einer starrte sitzend auf sein Handy, der andere stand und beobachtete die Leute in der Bahn. Ich fand es unangenehm, wenn sein Blick den meinen traf. Noch war ich unschuldig (in jeder Hinsicht), aber das konnte er natürlich nicht wissen und es war mir unangenehm, weil ich auf seinen Blick reagierte wie jemand, der sich fürchtete.
Dann war da noch der alte Mann, der aussah wie ein verarmter Stan Lee. Er fuhr oft mit, manchmal machten Jugendliche Fotos mit ihm. Ich glaube, er hat bis zum Schluss nicht kapiert, wieso. Er fummelte wie immer an seinen Taschen herum und ordnete seinen Kram neu. Zwei junge Frauen kauten Kaugummi und schafften es dabei nicht, den Mund geschlossen zu halten. Sogar bei mir roch es noch etwas nach Minze, was eine angenehme Abwechslung zum üblichen Mief der U-Bahn war.

Auszug aus dem Skript von „Restzeit“

Volker Stopel statt Norrak Mesch

Keine komplizierten Erklärungen mehr zu Techniken, keine gewöhnungsbedürftigen Namen. Meiner Meinung nach passt das ganz gut zu einem alleinstehenden Krankenpfleger Mitte 30, dessen bester Freund ein notorischer Säufer ist. Und das Schöne am Schreiben in der heutigen Zeit ist, dass ich jede Menge Referenzen reinpacken kann, die nur die Leute erkennen werden, die mich kennen.

Mal sehen, was draus wird. Für einen ganzen Roman wird es wahrscheinlich nicht reichen. Aber es gibt ja noch andere Textformen, und das wäre dann auch wieder eine Neuerung für mich!

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